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PPAP Submission Level · Level 3 · Level 4 · Interim Approval · OEM-CSR · AIAG PPAP 4th Edition
Zielgruppe
Qualitätsplaner, Anlaufmanager — Automotive Tier-1 und Tier-2 bei OEM-Erstfreigaben
Norm
AIAG PPAP 4th Edition · IATF 16949 §8.5.1.1 · OEM Customer Specific Requirements
Lesezeit
ca. 10 Minuten

OEM fordert
Level 3.
Was genau das bedeutet.

„Level 3" steht in der OEM-Anforderung — und in jedem zweiten PPAP-Paket fehlt trotzdem etwas. Weil Level 3 nicht selbsterklärend ist: Es bedeutet vollständige Einreichung aller 18 Elemente beim OEM, und was „vollständig" für diesen OEM heißt, steht in den Customer Specific Requirements — nicht im AIAG-Manual.

Die fünf PPAP-Submission-Level im Überblick Level 1–5

Das PPAP-Submission-Level definiert, wie viel ein Lieferant beim OEM einreichen muss — und ob die Prüfung beim OEM oder beim Lieferanten stattfindet. Die Entscheidung trifft der OEM, nicht der Lieferant. In der Praxis ist Level 3 der Normalfall bei Erstfreigaben. Level 4 kommt dazu, wenn OEM-Kundensonderforderungen (CSR) über den AIAG-Standard hinausgehen — was bei BMW, VW, Ford und Stellantis regelmäßig der Fall ist.

Ein Lieferant kann nicht selbst entscheiden, Level 1 einzureichen wenn der OEM Level 3 fordert. Und er kann nicht davon ausgehen, dass Level 3 von letztem Jahr dieselben CSR-Anforderungen erfüllt wie Level 3 heute — OEMs aktualisieren ihre CSR.

Nr.
Bezeichnung
Was einzureichen ist
Typischer Einsatz
Dokumentationsrisiko
L1
PSW only
Nur Part Submission Warrant (PSW). Ggf. Appearance Approval Report (AAR) wenn Oberflächenfreigabe gefordert.
Einfache Teile, langjährige Lieferantenbeziehung, keine Designänderung. Nur wenn OEM Level 1 explizit genehmigt hat.
Niedrig
L2
PSW + eingeschränkte Unterlagen
PSW + Produktmuster + ausgewählte Elemente nach OEM-Vorgabe. OEM definiert welche Elemente aus den 18 einzureichen sind.
Einfache Teile, bekannte Prozesse. OEM spezifiziert die Elementauswahl — immer schriftlich klären.
Mittel — fehlende CSR-Kenntnis erzeugt falsche Elementauswahl
L3
PSW + vollständige Unterlagen
PSW + Produktmuster + alle 18 Elemente, soweit auf das Teil zutreffend. Standard bei Erstfreigaben.
Normalfall bei neuen Teilen, nach Konstruktions- und Prozessänderungen. De-facto-Standard in der Tier-1-zu-OEM-Beziehung.
Hoch — jede Lücke ist bei der Einreichung sofort sichtbar
L4
PSW + OEM-spezifische Anforderungen
PSW + Unterlagen nach Customer Specific Requirements (CSR) des jeweiligen OEM — abweichende Formblätter, Stichprobengrößen, Zusatzelemente.
BMW, VW, Ford, Stellantis: eigene PPAP-Formulare, andere Prüffrequenzen, Zusatzelemente über AIAG-Standard hinaus.
Variabel — ohne aktuelle CSR-Kenntnis systematisch fehlerhaft
L5
PSW + vollständige Unterlagen vor Ort
Vollständiges Paket + Musterteile — Prüfung findet beim Lieferanten statt. OEM-Auditor kommt in den Betrieb.
Neue Lieferanten ohne Serienhistorie, sicherheitskritische Teile, nach schwerwiegenden Qualitätsvorfällen.
Sehr hoch — Prozess und Dokumentation werden vor Ort bewertet

OEM-Vorgabe hat Vorrang vor AIAG-Standard. Wenn BMW oder VW Level 4 fordert, sind die aktuellen CSR des OEM das maßgebliche Dokument — nicht das AIAG PPAP Manual 4th Edition.

Welche Elemente bei welchem Level — die vollständige Matrix 18 Elemente × 5 Level

Die Matrix zeigt welche der 18 PPAP-Elemente bei welchem Submission-Level einzureichen sind. „OEM" bedeutet: nur wenn der OEM dieses Element für diesen Level explizit fordert. „AAR" bedeutet: nur wenn das Teil Sichtflächen hat und der OEM Appearance Approval verlangt.

Nr.
Element
Hinweis
L1
L2
L3
L4
L5
01
Design Records
Zeichnungen und CAD im aktuellen Revisionsstand — muss mit FMEA übereinstimmen
OEM
02
Engineering Change Documents
Alle genehmigten Änderungen nach letztem PPAP — fehlt oft bei kurzfristigen Designkorrekturen
03
Customer Engineering Approval
Nur wenn OEM für dieses Teil fordert — aber im Statusboard explizit klären
04
Design FMEA
Revisionsstand muss zur eingereichten Zeichnung passen — häufigste Diskrepanz
OEM
05
Process Flow Diagram
Vollständiger Fertigungsablauf inkl. aller Prüfschritte
OEM
06
Process FMEA
Konsistent mit Control Plan — jedes Prüfmerkmal rückverfolgbar auf P-FMEA-Position
OEM
07
Control Plan
Prüfmerkmale, Methoden, Frequenzen — muss mit P-FMEA konsistent sein
OEM
08
Measurement System Analysis
Typ-1/2-Studien für kritische Prüfmittel — %GRR unter 30 % als Fähigkeitsnachweis
OEM
09
Dimensional Results
Maßprotokoll aller Merkmale — bei L3 üblicherweise 30 Serienteile, Revisionszustand prüfen
10
Material / Performance Tests
Werkstoffprüfberichte, Funktionsnachweise — je nach Teiletyp und OEM-Anforderung
11
Initial Process Study (SPC)
Ppk ≥ 1,67 für kritische Merkmale — braucht ausreichend Serienteile, kein Vorserienlauf
OEM
12
Qualified Laboratory Documentation
Akkreditierungsnachweis für externe Prüfungen (z.B. ISO/IEC 17025)
13
Appearance Approval Report (AAR)
Nur bei Sichtflächen wenn OEM fordert — Kennzeichnung als "nicht anwendbar" nötig wenn entfällt
AAR
AAR
AAR
AAR
AAR
14
Sample Product
Serienteile (nicht Vorserienlauf) — Stückzahl OEM-definiert, Revisionsstand der Teile prüfen
15
Master Sample
Referenzteil beim Lieferanten eingelagert — Dokumentation Pflicht, bei Audit auffindbar
16
Checking Aids
Lehren und Prüfvorrichtungen mit aktuellem Kalibriernachweis
17
Customer-Specific Requirements
Erfüllung aller OEM-CSR — oft vergessen weil OEM-Kundensonderforderungen nicht gesondert dokumentiert
18
Part Submission Warrant (PSW)
Abschlussdokument — erst unterschreiben wenn alle anderen Elemente freigegeben sind

✓ = Pflicht für diesen Level · OEM = nur wenn OEM für dieses Teil fordert · AAR = nur bei sichtbaren Teilen mit OEM-Appearance-Anforderung · – = nicht einzureichen (aber intern verfügbar halten)

Element 18 (PSW) ist bei allen Leveln Pflicht — es ist das Deckblatt der Einreichung. Alle anderen Elemente belegen das, was der PSW bestätigt: dass der Prozess serienreif ist und alle Unterlagen den aktuellen Stand zeigen.

Interim Approval — wenn das PPAP nicht vollständig ist, der Anlauf aber nicht warten kann

Interim Approval ist die OEM-Antwort auf ein unvollständiges PPAP-Paket, wenn der Serienanlauf nicht weiter verzögert werden kann. Der OEM erteilt eine zeitlich befristete, teilweise Genehmigung: Das Teil darf produziert und geliefert werden — aber der Lieferant muss das vollständige PPAP bis zu einem definierten Datum nachreichen.

Interim Approval ist kein positives Ergebnis. Es ist ein Signal, dass das PPAP-Paket Lücken hatte, die der OEM bekannt hat — und dass die Lieferantenbeziehung unter Beobachtung steht, bis das Paket vollständig genehmigt ist. In vielen OEM-Lieferantenbewertungssystemen wird die PPAP-Ablehnungsrate als Kennzahl gemessen. Wiederholte Interim Approvals verschlechtern die Bewertung.

01
MSA fehlt oder Messsystem nicht fähig

Element 8 fehlt für kritische Prüfmerkmale oder %GRR liegt über 30 %. OEM genehmigt Anlauf mit Interim Approval, fordert MSA-Nachbesserung bis definierten Termin. Das Messsystem ist valides PPAP-Element — fehlt es, ist der Nachweis der Prozessfähigkeit technisch unvollständig.

02
Fähigkeitsnachweis unzureichend (Ppk unter Mindestanforderung)

Initial Process Study (Element 11) zeigt Ppk unter 1,67 für sicherheitsrelevante oder zeichnungskritische Merkmale. OEM akzeptiert provisorisch, verlangt Prozessverbesserungsnachweise. Häufig bei Anlaufteilen mit zu wenig Serienteilen für statistisch belastbare Aussagen.

03
Muster aus Vorserienlauf statt Serienproduktion

Dimensional Results (Element 9) und Sample Product (Element 14) müssen aus regulärer Serienproduktion stammen. Muster aus einem Piloten oder Vorserienlauf gelten als nicht repräsentativ. OEM lässt Anlauf zu, fordert Nacheinreichung mit Serienteilen sobald Serienprozess stabil läuft.

04
Inkonsistenz zwischen D-FMEA und Zeichnungsrevision

Zeichnung und D-FMEA auf verschiedenen Revisionsständen — typischerweise nach Designänderung, die FMEA-Review ausgelöst hätte. OEM sieht: PSW unterschrieben, Paket aber intern inkonsistent. Interim Approval mit klarer Forderung zur Nachführung der FMEA auf aktuellen Stand.

Der häufigste Weg zu Interim Approval ist nicht das Fehlen eines Dokuments. Es ist ein Dokument auf dem falschen Revisionsstand — MSA-Studie die nicht für das aktuelle Prüfmerkmal gilt, FMEA die noch auf Zeichnung R03 zeigt während das Paket R05 einreicht. Diese Inkonsistenzen sind im internen Prozess unsichtbar, solange kein Revisionsstands-Abgleich vor der Einreichung stattfindet.

Level 4 und OEM-Kundensonderforderungen — was über AIAG hinausgeht CSR

Level 4 bedeutet nicht „weniger als Level 3" — es bedeutet „andere Anforderungen als Level 3". OEM-Kundensonderforderungen (Customer Specific Requirements, CSR) ergänzen oder ersetzen AIAG-Standardelemente und gelten immer als verbindlich, wenn der OEM sie veröffentlicht hat.

BMW Group CSR

BMW fordert spezifische Formblätter (z.B. BMW-eigenes PSW-Format) und abweichende Stichprobengrößen für Dimensional Results. Besonders: BMW-Anforderungen an Control Plan sind detaillierter als AIAG-Standard und verlangen teilweise produktspezifische Ergänzungen.

VW-Konzern CSR

Volkswagen und Konzerntöchter (Audi, Seat, Skoda, Porsche) arbeiten nach VDA-Logik und verlangen bei neuen Lieferanten oft Erstmusterprüfberichte (EMB) nach VDA-Format zusätzlich zum AIAG-PPAP-Paket. Element-Definitionen können von AIAG abweichen.

Ford Motor Company CSR

Ford verwendet eigene PPAP-Portale und hat spezifische Anforderungen an die Übermittlung (AIMS-System). Formblätter und Genehmigungswege weichen vom Papiereinreichungsstandard ab. CSR-Version prüfen — Ford aktualisiert seine Anforderungen regelmäßig.

Stellantis (ex-FCA/PSA) CSR

Stellantis hat nach der Fusion eigene CSR aus Fiat Chrysler und PSA-Vorläufer zusammengeführt. Übergangsperioden erzeugen Unklarheit welche CSR-Version gilt — im Zweifel schriftlich beim OEM-Einkauf klären, bevor das Paket zusammengestellt wird.

CSR sind öffentlich zugänglich — die meisten OEMs veröffentlichen sie auf ihren Lieferantenportalen. Aber sie ändern sich. Wer PPAP-Vorbereitungen auf Basis des letzten Projekts beginnt, ohne die aktuelle CSR-Version zu prüfen, arbeitet ggf. nach einem überholten Dokument. Eine vollständige Level-3-Einreichung nach veraltetem Standard ist aus OEM-Sicht dasselbe wie eine unvollständige Einreichung.

PPAP-Submission-Level mit QIMS — Elementstatus und Revisionsstand im Überblick

Das größte strukturelle Problem bei Level-3-Einreichungen ist nicht das Fehlen eines Elements — es ist das Fehlen der Sichtbarkeit: Welche Elemente sind bereits auf dem richtigen Stand? Welche hängen wegen eines Revisionsstands-Problems? Welche haben Vorlaufzeiten die noch nicht erfüllt sind?

QIMS führt alle 18 PPAP-Elemente als verknüpftes Statusboard pro Einreichung. Revisionsstand der Zeichnung ist mit D-FMEA, P-FMEA und Control Plan verbunden — Inkonsistenzen werden sichtbar, bevor das Paket zum OEM geht. MSA-Studien sind direkt mit den Prüfmerkmalen im Control Plan verknüpft, nicht in einem separaten Excel-Ordner das beim Zusammenstellen des Pakets vergessen wird.

Level-Tracking

OEM-spezifischer Level und zugehörige Elementliste je Einreichung — CSR-Abweichungen dokumentiert und sichtbar.

Revisionsstand-Abgleich

Zeichnung, D-FMEA, P-FMEA und Control Plan auf gemeinsamen Stand geprüft — Inkonsistenz vor der Einreichung, nicht beim OEM-Review.

Interim-Approval-Tracking

Offene Punkte aus OEM-Rückmeldungen dokumentiert mit Fälligkeitsdatum — Nachreicherfristen nicht im E-Mail-Postfach, sondern im Paket.

Wie QIMS PPAP-Submissions mit Elementstatus, Revisionsstand-Abgleich und MSA-Integration führt — in einer Demo zeigen wir den Workflow für eine Level-3-Einreichung von der Statusboard-Einrichtung bis zur Einreichungsfreigabe.

Häufige Fragen zu PPAP Submission Level

4 Fragen

Welche Elemente sind bei PPAP Level 3 Pflicht?

Bei Level 3 müssen alle 18 PPAP-Elemente beim OEM eingereicht werden, sofern das jeweilige Element auf das Teil zutrifft. "Zutreffend" definiert der OEM — ein Teil ohne Sichtfläche braucht keinen Appearance Approval Report (Element 13). Als Faustregel gilt: vollständiges Paket vorbereiten und nicht zutreffende Elemente explizit als "nicht anwendbar" mit OEM-Bestätigung kennzeichnen. Elemente, die fehlen ohne Begründung, gelten für den Review-Ingenieur als ausstehend — nicht als nicht gefordert.

Wann fordert ein OEM Level 4 statt Level 3?

Level 4 wird gefordert, wenn der OEM von seinem Standard-Level 3 abweicht und stattdessen spezifische Elemente nach seinen Customer Specific Requirements (CSR) verlangt. Das betrifft vor allem BMW, VW, Ford und Stellantis: diese OEMs haben eigene PPAP-Formblätter, abweichende Stichprobengrößen und Zusatzelemente, die über den AIAG-Standard hinausgehen. Wer ein Level-4-Paket ohne Kenntnis der aktuellen CSR zusammenstellt, liefert ggf. vollständige Unterlagen nach dem falschen Standard.

Was bedeutet Interim Approval bei PPAP?

Interim Approval (vorläufige Genehmigung) bedeutet: Der OEM genehmigt den Serienanlauf trotz offener PPAP-Punkte — befristet und mit Auflagen. Das Teil darf in Serienmengen produziert und geliefert werden, aber der Lieferant muss das vollständige PPAP bis zu einem definierten Datum nachreichen. Interim Approval ist kein Erfolg — es ist ein zeitlich begrenztes Risikomanagement des OEM auf Kosten der Lieferantenbeziehung. Die PPAP-Ablehnungsrate wird in der OEM-Scorecard gemessen.

Was ist Level 5 und wann kommt es zum Einsatz?

Bei Level 5 kommt der OEM-Vertreter zum Lieferanten. Das vollständige PPAP-Paket inklusive Musterteile wird beim Lieferanten vor Ort geprüft — nicht beim OEM eingereicht. Level 5 ist der intensivste Prüfmodus und wird gefordert bei: neuen Lieferanten ohne Serienhistorie, sicherheitskritischen Teilen, nach schwerwiegenden Qualitätsvorfällen oder wenn der OEM begründeten Zweifel an der Prozessstabilität hat. Bei Level 5 ist der Produktionsprozess selbst Teil der Bewertung.

Demo anfragen

Level 3.
18 Elemente.
Revisionsstand
synchron.

In einer Demo zeigen wir, wie QIMS PPAP-Submissions mit Elementstatus, Revisionsstands-Abgleich und MSA-Integration führt — sodass Interim Approvals die Ausnahme bleiben, nicht der Standard.

Kein Pitch. Kein Abschlussgespräch nach dem Termin.