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PFMEA IATF 16949 · DFMEA · Risikomanagement Automotive · AP-Zahl · AIAG-VDA 2019 · §9.1.2
Zielgruppe
QM-Beauftragte, Prozessingenieure und Entwicklungsteams bei IATF-16949-zertifizierten Automotive-Zulieferern
Normgrundlage
IATF 16949:2016 §9.1.2 · AIAG-VDA FMEA 2019 · ISO 9001:2015 §6.1 · OEM-Kundensonderforderungen
Lesezeit
ca. 9 Minuten

PFMEA mit RPN bewertet.
OEM-Audit kommt.
AP-Zahl erwartet — RPN nicht mehr akzeptiert.

IATF 16949 §9.1.2 schreibt Prozessrisiko-Management vor — und die AIAG-VDA-FMEA von 2019 hat den RPN-Wert durch die AP-Zahl abgelöst. Diese Seite erklärt PFMEA, DFMEA und AP-Zahl im IATF-Kontext sowie die vier häufigsten Audit-Fallen.

Was IATF 16949 §9.1.2 von Prozessrisiken wirklich fordert

§9.1.2 ist nicht optionales Quality-Tool — es ist normative Pflicht

IATF 16949:2016 §9.1.2 verlangt, dass Organisationen Risiken und Chancen aus dem Kontext der Organisation bestimmen (§6.1.1) und für die Planung des Qualitätsmanagementsystems identifizieren. In der Praxis bedeutet das für Automotive-Zulieferer: jeder neue Prozess und jede wesentliche Prozessänderung erfordert eine strukturierte Risikoanalyse — und die PFMEA ist das normativ anerkannte Instrument dafür. OEM-Kundensonderforderungen machen das oft noch verbindlicher: GM, Ford, Stellantis und BMW verlangen explizit PFMEA nach AIAG-VDA 2019 für alle Serienprodukte.

AIAG-VDA 2019: Ein Standard, zwei Schlüsselverbesserungen

Die AIAG-VDA FMEA 2019 (harmonisierter US-/europäischer Standard) hat zwei wesentliche Neuerungen gegenüber dem früheren FMEA-Ansatz eingeführt. Erstens: die 7-Schritte-Methodik als strukturierter Analyseprozess (Scope → Strukturanalyse → Funktionsanalyse → Fehleranalyse → Risikoanalyse → Optimierung → Dokumentation). Zweitens: Ablösung des RPN durch die AP-Zahl (Action Priority) mit den Klassen H, M und L — ein Ansatz der die mathematischen Schwächen des RPN behebt und die Bedeutung des Schadens als primäres Bewertungskriterium priorisiert.

DFMEA und PFMEA: Zwei Analysen, ein Produktverständnis

DFMEA und PFMEA sind keine konkurrierenden Dokumente — sie decken unterschiedliche Perspektiven desselben Produkts ab. Die DFMEA analysiert das Design: Kann das Produkt so gefertigt werden, dass alle Merkmale eingehalten werden? Die PFMEA analysiert den Prozess: Kann der Fertigungsprozess das Produkt so herstellen, dass Designmerkmale nicht verletzt werden? Sicherheitsmerkmale aus der DFMEA müssen in der PFMEA als Sondermerkmale (SC — Special Characteristics) auftauchen und mit entsprechend strikteren Prüfanforderungen belegt sein.

DFMEA vs. PFMEA — Abgrenzung und Verbindung
Aspekt
Vollständiger Name

Design-FMEA (DFMEA)

Prozess-FMEA (PFMEA)

Was wird analysiert

Produktdesign: Konstruktionsmerkmale, Toleranzen, Material, Funktion

Fertigungsprozess: Prozessschritte, Maschinen, Methoden, Prüfmethoden

Ziel

Designfehler identifizieren bevor das Produkt in die Fertigung geht

Prozessfehler identifizieren bevor der Prozess in die Serienproduktion startet

IATF-16949-Grundlage

§8.3 Design and development — Designrisiken im Entwicklungsprozess

§9.1.2 Monitoring und Messung — Prozessrisiken in der Fertigung

AIAG-VDA 2019 Formblatt

7-Schritte-DFMEA mit AP-Zahl und Sondermerkmalen (SC)

7-Schritte-PFMEA mit AP-Zahl, Prüfplan-Verknüpfung und Control Plan

Wer erstellt es

Entwicklung mit Beiträgen aus Qualität, Fertigung, Einkauf

Fertigungsplanung mit Beiträgen aus Qualität, Prozess-Ingenieuren

Verbindung zum PPAP

PPAP-Element 3: DFMEA als Teil der Submission

PPAP-Element 4: PFMEA als Teil der Submission

AIAG-VDA FMEA Handbook 2019. DFMEA = PPAP Element 3, PFMEA = PPAP Element 4. Beide als Submission-Level 3 (Kopie mit Submission) für sicherheitskritische Merkmale empfohlen.

AP-Zahl — Entscheidungsmatrix nach AIAG-VDA 2019 (vereinfacht)

Die AP-Zahl priorisiert in der Reihenfolge Bedeutung → Auftreten → Entdeckung. Bedeutung ist das primäre Kriterium: Ein hoher B-Wert (sicherheitskritischer Schaden) führt immer zu AP=H — unabhängig von Auftreten und Entdeckung. Das ist der entscheidende Unterschied zum RPN, der einen hohen B-Wert durch niedrige A- und E-Werte "wegrechnen" konnte.

Bedeutung B 9–10 (sicherheitskritisch)

Auftr.

Jeder A-Wert

Entd.

Jeder E-Wert

H — High

Sofortige Maßnahme erforderlich — Sonderfreigabe ohne abgeschlossene Maßnahme nicht möglich

Bedeutung B 7–8

Auftr.

A 4–10

Entd.

E 7–10

H — High

Hohe Priorität — Maßnahmentermin und Verantwortlicher in PFMEA dokumentiert

Bedeutung B 4–6

Auftr.

A 4–6

Entd.

E 4–6

M — Medium

Optimierung empfohlen — Maßnahme bei nächster Revision einarbeiten

Bedeutung B 1–3

Auftr.

Jeder A-Wert

Entd.

Jeder E-Wert

L — Low

Kein sofortiger Handlungsbedarf — bei Prozessänderungen re-evaluieren

PPAP — DFMEA und PFMEA als Submission-Dokument

DFMEA (Element 3) und PFMEA (Element 4) sind Pflichtbestandteile des PPAP. Vollständige PPAP-Struktur und Submission-Level:

PPAP vollständig →

Layered Process Audit — Prozessrisiken überwachen

LPA als Instrument zur risikobasierten Prozessüberwachung nach IATF 16949 — Schichten, Frequenz und PFMEA-Verbindung:

Layered Process Audit →
Vier häufige Fallen — IATF-16949-Risikomanagement im Audit
01 · PFMEA nicht mit Control Plan konsistent

IATF-Auditoren prüfen die Konsistenz zwischen PFMEA und Fertigungssteuerungsplan systematisch. Eine hohe AP-Zahl für ein Prozessmerkmal in der PFMEA muss im Control Plan zu einer entsprechend intensiven Prüfung führen. Wenn die PFMEA AP=H vergibt, der Control Plan aber nur sporadische Stichproben vorsieht, ist das ein sofortiger Befund.

02 · AP-Zahl statt RPN — formal falsch dokumentiert

Nach AIAG-VDA 2019 ist der RPN durch die AP-Zahl (H/M/L) ersetzt. Viele Zulieferer führen noch PFMEA-Dokumente mit RPN-Spalten — das wird von OEM-Auditoren und IATF-Auditoren zunehmend als Nichterfüllung der Kundensonderforderungen gewertet. Wer noch RPN dokumentiert, hat formal ein veraltetes FMEA-System.

03 · DFMEA ohne Verbindung zur PFMEA

Design-Merkmale die in der DFMEA als risikoreich identifiziert wurden, sollten in der PFMEA als kritische Prozessmerkmale (Special Characteristics) auftauchen. Wenn die DFMEA Sicherheitsmerkmale definiert (z. B. Wandstärke, Verbindungsfestigkeit) und die PFMEA diese Merkmale nicht explizit adressiert, ist die Konsistenz nicht nachgewiesen.

04 · CSR nicht auf Unterlieferanten übertragen

IATF 16949 §8.4.3 verlangt, dass Tier-1-Zulieferer ihre OEM-Kundensonderforderungen (Customer Specific Requirements) an eigene Unterlieferanten weitergeben. Das betrifft auch FMEA-Anforderungen: Wenn der OEM AIAG-VDA-FMEA mit AP-Zahl verlangt, muss der Tier-1 das an Tier-2 weitergeben. Auditoren fragen: Wie stellen Sie sicher, dass Ihre Unterlieferanten dieselben FMEA-Standards anwenden?

QIMS — PFMEA mit AP-Zahl, Control-Plan-Konsistenz und CAPA-Übergang

Die häufigste IATF-16949-Lücke bei der PFMEA ist nicht fehlende Analyse — es ist fehlende Konsistenz. Die PFMEA ist dokumentiert, aber PFMEA-Befunde werden nicht in den Control Plan übertragen. Sondermerkmale aus der DFMEA tauchen in der PFMEA nicht als SC auf. Maßnahmen mit AP=H haben keinen zugeordneten Verantwortlichen mit Termin.

QIMS bildet den FMEA-Prozess mit IATF-Fokus ab: Das QIMS-Modul M32 FMEA-Risikoanalyse unterstützt die 7-Schritte-FMEA nach AIAG-VDA 2019 mit AP-Zahl-Klassifizierung und verknüpft PFMEA-Maßnahmen direkt mit QIMS-Prüfmodulen für Control-Plan-Konsistenz. Maßnahmen mit AP=H werden als priorisierte Tasks geführt — mit Verantwortlichem, Termin und automatischer Eskalation bei Fristüberschreitung.

AIAG-VDA 2019

7-Schritte-FMEA mit AP-Zahl H/M/L — kein veralteter RPN, keine Compliance-Lücke.

PFMEA → Maßnahmen

AP=H-Maßnahmen direkt als priorisierte Tasks mit Termin und Wirksamkeitsprüfung.

M32 → M44 Verbindung

FMEA-Erkenntnisse fließen in das Reklamationsmanagement — bidirektionale Verknüpfung.

PFMEA die beim IATF-Audit standhält

In einer 30-Minuten-Demo zeigen wir, wie QIMS die PFMEA nach AIAG-VDA 2019 mit AP-Zahl und Control-Plan-Konsistenz digital abbildet — entwickelt nach den Anforderungen aus IATF 16949 §9.1.2.

Häufige Fragen zu PFMEA und Risikomanagement nach IATF 16949 5 Fragen

Ist PFMEA nach IATF 16949 bei allen Neuprodukten Pflicht?

IATF 16949 §9.1.2 verlangt, dass Prozessrisiken identifiziert, bewertet und mit Maßnahmen versehen werden — die PFMEA ist das Standardinstrument dafür. Technisch ist die PFMEA bei IATF 16949 nicht als Pflicht-Formblatt vorgeschrieben, aber sie ist das einzig breit akzeptierte Verfahren zur Erfüllung der §9.1.2-Anforderungen in der Automobilindustrie. OEM-Kundensonderforderungen (GM, Ford, Stellantis, BMW, VW) verlangen in der Regel explizit eine PFMEA nach AIAG-VDA 2019. Ein Tier-1-Zulieferer der §9.1.2 ohne PFMEA nachweisen will, muss eine gleichwertige Alternative belegen — was in der Praxis kaum akzeptiert wird.

Was ist der Unterschied zwischen AP-Zahl und RPN?

Der RPN (Risk Priority Number) war das klassische Bewertungsmaß der alten FMEA-Systematik: Bedeutung (B) × Auftreten (A) × Entdeckung (E). Der RPN hatte den Nachteil, dass mathematisch identische Werte sehr unterschiedliche Risikoprofile beschreiben können — z. B. 7×1×1=7 vs. 1×1×7=7. Die AP-Zahl (Action Priority) nach AIAG-VDA 2019 ersetzt den RPN durch eine priorisierte Entscheidungsmatrix: Zunächst wird die Bedeutung (B) des Schadens bewertet, dann Auftreten (A), dann Entdeckung (E) — in dieser Reihenfolge. Das Ergebnis ist nicht eine Zahl, sondern eine Klasse: H (High = Handlungspflicht), M (Medium = Optimierung empfohlen), L (Low = kein sofortiger Handlungsbedarf). OEM-Auditoren prüfen zunehmend, ob das AP-Konzept korrekt angewendet wurde.

Muss die DFMEA vom Kunden freigegeben werden?

Das hängt von den OEM-Kundensonderforderungen ab. BMW, VW und Stellantis verlangen in bestimmten Programmphasen eine DFMEA-Freigabe oder zumindest eine Review-Bestätigung durch den Kunden — insbesondere bei Klasse-A-Sicherheitsmerkmalen. Ford und GM haben ähnliche Anforderungen in ihren Customer Specific Requirements. Die DFMEA ist grundsätzlich ein Dokument des Lieferanten, aber OEMs können im Rahmen von Advanced Product Quality Planning (APQP) eine Einsicht oder Freigabe verlangen. Im PPAP-Prozess ist die DFMEA als Element 3 enthalten und gehört zur Submission-Dokumentation.

Wie tief muss die PFMEA für Prozesse gehen?

Die Tiefe der PFMEA hängt von der Komplexität des Prozesses und den Kundensonderforderungen ab. AIAG-VDA 2019 empfiehlt, dass die PFMEA auf Prozessschritte-Ebene (manufacturing steps) arbeitet — nicht auf Produktmerkmals-Ebene. Für jeden Prozessschritt werden Fehlerarten (was kann schiefgehen?), Fehlerfolgen (was passiert dann?) und Fehlerursachen (warum passiert das?) identifiziert und bewertet. In der Praxis: Eine PFMEA die nur auf Prozessabschnitts-Ebene arbeitet, ist für IATF-Auditoren oft zu grob — Auditoren erwarten Fehlerarten auf dem Detailniveau, das im Fertigungssteuerungsplan abgebildet ist.

Wie verbindet sich PFMEA mit dem Fertigungssteuerungsplan?

PFMEA und Control Plan (Fertigungssteuerungsplan) sind zwei Seiten desselben Prozessverständnisses. Die PFMEA identifiziert Risiken — der Control Plan beschreibt, wie diese Risiken überwacht werden. Jede Maßnahme in der PFMEA sollte im Control Plan widergespiegelt sein: Prüfmerkmal, Prüfmethode, Prüffrequenz, Reaktionsplan. IATF-Auditoren prüfen die Konsistenz: Wenn die PFMEA eine hohe AP-Zahl für ein bestimmtes Merkmal vergibt, erwarten sie eine entsprechend häufige und intensive Prüfung im Control Plan. Diskrepanzen zwischen PFMEA und Control Plan sind ein klassischer IATF-Befund.

PFMEA nach AIAG-VDA 2019 — AP-Zahl statt RPN

PFMEA dokumentiert.
AP-Zahl klassifiziert.
Control Plan konsistent.
IATF-Audit bestanden.

PFMEA und DFMEA nach AIAG-VDA 2019 mit AP-Zahl, Maßnahmen-Tracking und Control-Plan-Konsistenz — QIMS bildet IATF-16949-Risikomanagement digital ab, entwickelt nach den Anforderungen aus §9.1.2.

Einsetzbar für Tier-1- und Tier-2-Zulieferer in der Automobilindustrie.