- Zielgruppe
- Qualitätsleiter, QM-Ingenieure, Einkaufsleiter — Tier-1- und Tier-2-Zulieferer in Automotive und Medizintechnik
- Normgrundlage
- IATF 16949:2016 §8.4.1 · ISO 13485:2016 §7.4 · ISO 9001:2015 §8.4
- Lesezeit
- ca. 10 Minuten
Lieferant bewertet.
Schwellenwert unterschritten.
Dokumentierte Maßnahmen: keine.
Das ist das häufigste IATF-16949-Finding im Bereich Lieferantenmanagement — nicht die fehlende Bewertung, sondern die fehlende Reaktion auf eine schlechte. Diese Seite erklärt, wie man ein Lieferantenbewertungssystem aufbaut, das Audits standhält: die richtigen Kriterien, die richtige Gewichtung, die richtigen Eskalationsstufen.
Lieferantenbewertung ist kein Einmal-Ereignis — es ist ein laufender Prozess
Lieferanten qualifizieren, bewerten und entwickeln sind drei verschiedene Prozesse — in der Praxis werden sie oft verwechselt oder zusammengeworfen. IATF 16949 §8.4.1 und ISO 13485 §7.4.1 behandeln sie als eigenständige Pflichten. Ein IATF-Auditor prüft alle drei separat. Wer nur einen Onboarding-Prozess hat, aber keine periodische Bewertungshistorie, hat eine Lücke — unabhängig davon, wie gut die Erstqualifizierung dokumentiert war.
Warum Lieferantenbewertung in der Praxis scheitert
Das Szenario ist verbreitet: Die Lieferantenbewertung existiert — als Excel-Datei, einmal jährlich ausgefüllt, nicht ans ERP angebunden. Die PPM-Rate kommt manuell aus einer anderen Tabelle, die OTD schätzt der Einkauf aus dem Gedächtnis. Beim IATF-Audit fragt der Prüfer: „Lieferant X hat in Q2 Ihre Bewertungsgrenze unterschritten. Welche Maßnahmen wurden dokumentiert?" Antwort: keine. Das ist ein Finding — nicht wegen der schlechten Bewertung, sondern wegen der fehlenden Reaktion.
Normgrundlage — als Kontext, nicht als Verkaufsargument
IATF 16949 §8.4.1 verlangt eine dokumentierte Methodik für die Auswahl, Überwachung und Entwicklung externer Anbieter. ISO 13485 §7.4.1 fordert das Gleiche für Medizintechnik-Lieferanten — mit besonderem Fokus auf Qualifikation und Risikoklasse. ISO 9001 §8.4 ist die Basis-Referenz für alle Branchen. Wer nach den Anforderungen dieser Normen entwickelt, baut ein System das Auditoren überzeugt — nicht weil es „zertifiziert" oder „konform" ist, sondern weil es die richtigen Prozesse hat.
Lieferantenqualifizierung
Einmalig — vor der ersten Bestellung
Erstprüfung vor Freigabe eines neuen Lieferanten
Abschluss: Freigabe oder Ablehnung des Lieferanten
Lieferantenbewertung
Periodisch — halbjährlich bis jährlich je Lieferantenklasse
Regelmäßige Leistungskontrolle aktiver Lieferanten anhand definierter KPIs
Output: Bewertungsklasse A/B/C + Maßnahmen bei Unterschreitung
Lieferantenentwicklung
Reaktiv — bei Leistungsabfall oder nach negativem Audit
Gezielte Verbesserungsmaßnahmen bei schwachen Lieferanten
Ziel: Leistung des Lieferanten systematisch verbessern, nicht ersetzen
Alle sechs Kategorien nach branchenüblichem Standard. Gewichtung ist branchenspezifisch variabel — Automotive, Medizintechnik und Sondermaschinenbau priorisieren unterschiedlich. Details zur branchenspezifischen Gewichtung und KPI-Definition auf der Kriterien-Seite.
Qualitätsleistung
40 % (Automotive)
PPM-Rate, Reklamationsquote, RGA-Quote
ERP-Wareneingangsbuchung, Reklamationssystem
Liefertreue
30 % (Automotive)
OTD in % (On-Time-Delivery)
ERP — Bestelldatum vs. tatsächliches Wareneingangsdatum
Reaktionszeit
15 % (Automotive)
8D-Response-Time in Stunden/Tagen
Reklamationssystem — Ticketdatum bis D3-Eingang
Systemzertifizierung
10 % (Automotive, kombiniert mit Audit)
IATF 16949 / ISO 13485 / ISO 9001 gültig (ja/nein)
Lieferantenakte, Zertifizierungsstellen-Datenbank
Audit-Ergebnis
(in Systemzertifizierung enthalten)
Letztes Lieferantenaudit — Punkte oder A/B/C-Klasse
Audit-Dokumentation, QIMS-Audit-Modul
Kooperation
5 % (Automotive)
Qualitative Einschätzung Einkauf/Qualität, 1–5 Skala
Strukturiertes Interview oder Selbstauskunftsformular
Gewichtungen sind Richtwerte nach IATF-16949-Praxis. IATF schreibt kein Schema vor — die Gewichtung muss die eigenen Risikoprioritäten widerspiegeln. Ausführliche Branchenvergleiche: Automotive, Medizintechnik, Sondermaschinenbau.
Die sechs Bewertungskategorien im Detail: KPI-Definitionen und Branchengewichtung →Lieferanten klassifizieren
Nicht alle Lieferanten gleich behandeln. A-Lieferanten sind kritische Schlüssel- oder Single-Source-Lieferanten mit hohem Umsatzanteil. C-Lieferanten sind leicht austauschbare Standardteile-Lieferanten. Die Klasse bestimmt Bewertungsfrequenz, Kriterientiefe und Eskalationsschnelligkeit.
Lieferantenregister mit A/B/C-Klassifizierung
Kriterien und Gewichtung festlegen
Automotive (IATF 16949): Qualität 40 %, Liefertreue 30 %, Reaktionszeit 15 %, Systemzertifizierung + Audit 10 %, Kooperation 5 %. Medizintechnik (ISO 13485): Qualität 35 %, Systemzertifizierung + Audit 30 %, Liefertreue 20 %, Reaktionszeit 10 %, Kooperation 5 %. Die Gewichtung spiegelt die Risikoprioritäten der eigenen Branche.
Bewertungsmatrix mit definierten Kategorien und Gewichtungsfaktoren
Messmethoden definieren
Kennzahlen müssen entweder messbar (KPI aus ERP) oder nachvollziehbar dokumentiert (Audit-Ergebnis, Zertifikat-Status) sein. Je mehr Kennzahlen automatisch aus dem System kommen, desto weniger manuelle Pflege. Selbstauskünfte ergänzen — ersetzen objektive KPIs nicht.
KPI-Definitionen mit Datenquelle und Messintervall pro Kriterium
Bewertungsturnus festlegen
A-Lieferanten halbjährlich, B-Lieferanten jährlich, C-Lieferanten nach Bedarf — das ist der Branchenstandard. IATF 16949 schreibt keinen Mindestturnus vor; dieser Spielraum sollte genutzt werden, um den Aufwand risikobasiert zu steuern.
Bewertungskalender je Lieferantenklasse, dokumentiert im QM-Handbuch
Eskalationsstufen definieren
Was passiert wenn ein Lieferant den Schwellenwert unterschreitet? Beispiel: Unter 60 % → Erstgespräch + 8D-Anforderung. Unter 40 % → Lieferantenaudit + erhöhte Wareneingangskontrollen. Unter 20 % → Lieferantenwechsel einleiten. Jede Eskalationsstufe braucht einen dokumentierten Wirksamkeitsnachweis — IATF-Auditoren fragen explizit danach.
Eskalationsplan mit Schwellenwerten, Maßnahmen und Wirksamkeitsprüfung
PPAP, Lieferantenbewertung und Layered Process Audit werden häufig isoliert betrachtet — sie sind aber Teile desselben Überwachungssystems. Das Zusammenspiel: PPAP ist die Zulassung beim Erstanlauf. Lieferantenbewertung ist die laufende Überwachung danach. Der Layered Process Audit ist die Prozessprüfung direkt am Fertigungsstandort des Lieferanten.
18-Elemente-Nachweis der Serientauglichkeit — endet mit PSW-Genehmigung. Danach beginnt die Bewertungsphase.
PPAP: Lieferantenzulassung durch Erstbemusterung →Periodische KPI-Kontrolle auf Basis von PPM, OTD, 8D-Reaktionszeit, Audit-Ergebnis. IATF 16949 §8.4.1 — kein Ermessensspielraum.
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Second-Party-Audit beim Lieferanten — prüft ob Serienparameter aus dem PPAP im Alltag eingehalten werden.
Layered Process Audit: IATF-Auditstandard für Prozesse →IATF 16949 §8.4.1 verlangt beides — Qualifizierung/Zulassung (PPAP) und periodische Bewertung. Wer einen Lieferantenaudit durchführt, ergänzt die Bewertung durch einen Vor-Ort-Check: Was die KPI-Tabelle nicht zeigt, sieht man im Fertigungsbereich.
IATF 16949 §8.4.2 fordert die Kontrolle der Messmittel beim Lieferanten — nicht nur von Produktionsprozessen. Wer Lieferanten bewertet, sollte Kalibrierübersicht und MSA-Studien als Prüfpunkt im Lieferantenaudit führen. Eine PPM-Rate von 0 bei einem Lieferanten ohne valide Messprozesse ist kein Qualitätsnachweis — es ist ein Messproblem.
MSA als Lieferantenbewertungs-Kriterium
Typ-1-Studie (Cg/Cgk), Gage R&R, Kalibrierübersicht — welche MSA-Nachweise bei einem Lieferantenaudit relevant sind und welche Grenzwerte IATF 16949 fordert:
Messsystemanalyse (MSA): Messmitteleignung beim Lieferanten →Excel-Vorlage und Software sind keine Konkurrenten — sie sind für unterschiedliche Ausgangssituationen geeignet. Die Entscheidungshilfe:
- → Unter 20 aktive Lieferanten im IATF-Scope
- → Bewertung einmal jährlich, ein Standort
- → Kein Eskalations-Workflow erforderlich
- → KPI-Pflege manuell beherrschbar
- → 30+ Lieferanten oder mehrere Standorte
- → Quartalsweise Bewertung für A-Lieferanten
- → IATF-Auditor erwartet revisionssichere Historisierung
- → Eskalationsnachweis bei schlechten Bewertungen gefordert
Der entscheidende Punkt: IATF 16949 §8.4.1 schreibt keine Software vor — aber Klausel 7.5.3 fordert gelenktes Dokumentenmanagement mit Revisionsverfolgung und Freigabenachweis. In Excel ist das strukturell nicht abbildbar, wenn mehrere Personen dieselbe Datei bearbeiten.
Das häufigste Problem bei der Lieferantenbewertung in der Praxis ist nicht fehlendes Wissen über die Kriterien — es ist die fehlende Verbindung zwischen den Systemen. Die PPM-Rate liegt im ERP. Die Reklamationshistorie liegt im Qualitätssystem. Das Audit-Ergebnis liegt im Prüfbericht. Die Bewertung liegt in Excel. Niemand führt das zusammen — bis zum Audit.
QIMS integriert Lieferantenbewertung in den Gesamtprozess: Prüfdaten aus der Messung fließen in die Reklamation, Reklamationsdaten fließen in die Lieferantenbewertung, die Bewertung triggert bei Unterschreitung automatisch Eskalationsschritte — in einer Plattform, mit revisionssicherem Audit-Trail. Entwickelt nach den Anforderungen aus IATF 16949 §8.4 und ISO 13485 §7.4.
Kennzahlen aus Messung und Reklamation fließen direkt in die Bewertung — keine manuelle Pflege aus mehreren Quellen.
Schwellenwert unterschritten: automatische Benachrichtigung und dokumentierter Maßnahmenplan — der IATF-Auditor findet die Spur.
Revisionssichere Historisierung aller Bewertungen mit Zeitstempel, Benutzerkennung und Freigabeprotokoll.
Lieferantenbewertung die beim IATF-Audit standhält
In einer 30-Minuten-Demo zeigen wir, wie QIMS Ihre Lieferantenbewertung in den Qualitätsprozess integriert — von der KPI-Anbindung bis zum Eskalationsnachweis. Konditionen besprechen wir im Demo-Gespräch.
Was ist der Unterschied zwischen Lieferantenqualifizierung und Lieferantenbewertung?
Lieferantenqualifizierung ist die Erstprüfung vor der ersten Bestellung — sie entscheidet, ob ein Lieferant grundsätzlich zugelassen wird. Lieferantenbewertung ist die regelmäßige Leistungskontrolle laufender, bereits freigegebener Lieferanten auf Basis von KPIs (PPM-Rate, OTD, 8D-Reaktionszeit) und Audit-Ergebnissen. Beide sind in IATF 16949 §8.4.1 und ISO 13485 §7.4.1 als eigenständige Pflichtprozesse verankert — IATF-Auditoren prüfen beides getrennt.
Wie oft muss ein Lieferant nach IATF 16949 bewertet werden?
IATF 16949 schreibt keine feste Mindestfrequenz vor — die Norm verlangt eine dokumentierte Methodik und nachvollziehbare Bewertungshistorie. In der Praxis gilt: A-Lieferanten (kritisch, hoher Umsatzanteil) werden halbjährlich bewertet, B-Lieferanten jährlich, C-Lieferanten nach Bedarf. OEM-Kundensonderforderungen können abweichende Anforderungen stellen — die gültigen CSR-Dokumente des jeweiligen OEM müssen geprüft werden.
Welche Kriterien sind bei der Lieferantenbewertung nach IATF 16949 Pflicht?
IATF 16949 §8.4.1 schreibt die Bewertung von Qualitätsleistung und Lieferperformance als Mindestanforderung vor. Weitere Kriterien — Audit-Ergebnis, Systemzertifizierung, Reaktionszeit, Kooperation — sind in der Praxis etabliert und von Auditoren erwartet, aber nicht im Wortlaut als Pflicht aufgeführt. Entscheidend ist, dass die gewählten Kriterien messbar oder nachvollziehbar dokumentiert sind.
Kann ich die Lieferantenbewertung in Excel führen?
Ja — Excel ist zulässig, solange die Dokumentation vollständig, nachvollziehbar und revisionssicher ist. In der Praxis scheitert Excel an drei Punkten: fehlender Audit-Trail (wer hat wann was geändert), kein automatischer Eskalations-Workflow bei Schwellenwert-Unterschreitung und aufwändige manuelle KPI-Pflege bei vielen Lieferanten. Ab ca. 30 Lieferanten oder bei mehreren Standorten wird Excel fehleranfällig.
Was passiert bei einer schlechten Lieferantenbewertung?
Eine schlechte Bewertung ohne dokumentierte Folgemaßnahme ist selbst ein IATF-Finding — schlimmer als die schlechte Bewertung. Etablierte Eskalationsstufen: Unter 60 % → Erstgespräch und 8D-Anforderung. Unter 40 % → Lieferantenaudit und erhöhte Wareneingangskontrollen. Unter 20 % → Lieferantenwechsel einleiten. Die Wirksamkeit jeder Maßnahme muss mit Datum und Nachweis dokumentiert sein.
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Lieferant bewertet.
Schwellenwert unterschritten.
Maßnahme dokumentiert.
IATF-Auditor: kein Finding.
Lieferantenbewertung die KPIs aus Messung und Reklamation integriert, Eskalationsschritte automatisch dokumentiert und den vollständigen Nachweis-Trail für IATF-Auditoren bereit hält — ohne manuelle Zusammenführung aus verteilten Excel-Tabellen.
Entwickelt nach den Anforderungen aus IATF 16949 §8.4 und ISO 13485 §7.4. Einsetzbar für Automotive-Zulieferer und Medizintechnik-Hersteller.