- Zielgruppe
- Qualitätsplaner, Erstbemusterungsverantwortliche — Automotive Tier-1 und Tier-2 bei deutschen und US-amerikanischen OEMs
- Norm
- VDA Band 2 (PPF) · AIAG PPAP 4th Edition, Element 9 · IATF 16949 §8.5.1.1
- Lesezeit
- ca. 12 Minuten
Erstmusterprüfbericht.
OEM fordert ISIR-Format.
Das Deckblatt fehlt. PPAP: zurückgewiesen.
Der Erstmusterprüfbericht (EMB) ist PPAP-Element 9 — und gleichzeitig das Dokument, das OEM-Reviewer am häufigsten zurückweisen. Nicht weil er fehlt, sondern weil Teile aus dem falschen Werkzeug stammen, Kavitäten fehlen oder die Zeichnungsrevision nicht stimmt. Diese Seite erklärt, was nach VDA und nach AIAG konkret hineinmuss — und was "vollständig" für den OEM-Reviewer tatsächlich bedeutet.
Der Erstmusterprüfbericht (EMB) ist der dokumentierte Nachweis, dass die erstmals mit Serienwerkzeug hergestellten Teile alle Anforderungen der Zeichnung erfüllen. Er bildet zusammen mit dem Part Submission Warrant (PSW) den Kern des PPAP-Pakets — ohne einen vollständigen EMB oder ISIR kann kein PPAP Level 3 genehmigt werden.
Aus OEM-Reviewer-Perspektive ist der EMB/ISIR die Antwort auf eine einzige Frage: Kann dieser Lieferant das Teil reproduzierbar in Toleranz herstellen — mit dem echten Serienwerkzeug, unter normalen Produktionsbedingungen, in jeder Kavität? Prototypen, Soft-Tool-Teile oder Muster aus Sonderbedingungen beantworten diese Frage nicht. Sie werden ohne Diskussion abgelehnt.
EMB und ISIR meinen dasselbe Dokument — aber in unterschiedlichen Normsystemen. Deutsche OEMs (VW-Gruppe, BMW, Mercedes) fordern den EMB nach VDA Band 2 im Rahmen der PPF-Freigabe. Amerikanische OEMs (GM, Ford, Stellantis) erwarten den ISIR nach AIAG als Element 9 des PPAP-Pakets. Tier-1-Lieferanten mit internationalem OEM-Portfolio erstellen beide Formate aus denselben Messrohdaten.
Rechtsgrundlage: VDA Band 2 „Qualitätssicherung bei Lieferanten — Sicherung der Qualität vor Serieneinsatz — Produktionsprozess- und Produktfreigabe (PPF)". Der VDA-EMB ist stark formularbasiert: strukturierte Nummerierung, Deckblatt mit Pflichtfeldern, Zeichnungsanalyse mit Laufnummern je Merkmal.
Der EMB wird beim VDA-Standard nicht nur bei Erstlieferungen gefordert — auch nach Werkzeugänderung, Prozessänderung, Wechsel des Lieferantenstandorts, Änderung des Rohmaterial-Herstellers und nach jeder abgestimmten Designänderung ist ein neuer EMB Pflicht.
Rechtsgrundlage: AIAG PPAP Manual, 4th Edition, Element 9 „Dimensional Results". Das AIAG-Format ist prinzipienbasierter als der VDA-Standard — das Format ist flexibel, die Vollständigkeit aber absolut zwingend. OEMs wie GM und Ford haben eigene ISIR-Formate (teils als Excel-Ballistic-Summary), die über das AIAG-Grundformat hinausgehen.
Part Number, Part Name, Drawing Revision Level, PPAP Reason (Erstfreigabe / Änderung / etc.), Supplier Name und Supplier Code
Alle Zeichnungsmaße mit Balloon-Nummer, Nominal, Toleranz (+ und −), Actual Measurement, In/Out (I/O), Gauge ID des verwendeten Messmittels
Serial Numbers oder Lot Numbers der gemessenen Teile, Produktionsdatum, Werkzeug-ID und Kavitätennummer
Supplier Quality Engineer (Name, Funktion, Unterschrift), Datum der Messung
- Stark formularbasiert — strukturierte Nummerierung, Pflicht-Deckblatt
- Zeichnungsanalyse mit Laufnummern je Merkmal als eigener Abschnitt
- Werkstoffnachweis als separater Pflichtabschnitt
- Primär für deutsche und europäische OEMs
- Prinzipienbasiert — Format flexibel, Vollständigkeit zwingend
- Balloon-Nummern aus Zeichnung direkt im Maßprotokoll
- OEM-spezifische Formate (GM, Ford, Stellantis) gehen über AIAG-Basis hinaus
- Primär für US-amerikanische OEMs im PPAP-Kontext
Beide Standards verlangen Teile aus dem echten Serienwerkzeug — das ist die wichtigste gemeinsame Anforderung. Format-Unterschiede sind sekundär; wer mit Soft-Tool-Teilen misst, wird in beiden Systemen zurückgewiesen.
OEM-Reviewer haben eine Routine. Sie nehmen Zeichnung und Protokoll nebeneinander und gehen eine Checkliste ab — in dieser Reihenfolge, bei jeder Einreichung. Wer weiß, was sie suchen, kann das Protokoll so aufbauen dass keine Rückfragen entstehen.
Alle auf der Zeichnung definierten Maße müssen im Protokoll auftauchen. OEM-Reviewer nehmen Zeichnung und Protokoll nebeneinander und haken Merkmal für Merkmal ab. Ein einziges fehlendes Maß — gleichgültig wie "unwichtig" es erscheint — führt zur Zurückweisung wegen Unvollständigkeit.
Die Teile müssen aus dem Serienwerkzeug stammen. OEMs fragen nach Werkzeug-ID, Kavitätennummer und Produktionsdatum. Soft-Tool-Teile, Prototypen oder Teile aus idealen Sonderbedingungen werden ohne Diskussion abgelehnt — das ist kein Ermessensspielraum.
Bei 4-fach-Werkzeug müssen Teile aus allen vier Kavitäten gemessen werden — nicht nur aus der "besten". Verschiedene Kavitäten können unterschiedliches Maßverhalten zeigen; der Review deckt Werkzeugverzug pro Hohlraum auf.
Bei engen Toleranzen (unter 0,1 mm) und bei Special Characteristics erwartet der OEM-Reviewer eine dokumentierte Messunsicherheit (expanded uncertainty U). Faustregel: U unter 10 % der Toleranz. Fehlt der Nachweis bei kritischen Merkmalen, zweifelt der Reviewer an der Messung selbst.
EMB/ISIR, PSW und Design Records müssen dieselbe Zeichnungsrevision tragen. Wenn das Protokoll auf Revision R03 erstellt wurde und der PSW R05 zeigt, ist das gesamte Paket inkonsistent — unabhängig davon, dass die Messungen selbst korrekt sein können.
Diese sieben Muster erklären den größten Teil aller Element-9-Zurückweisungen. Sie entstehen nicht aus Unwissen — sie entstehen wenn das Protokoll unter Zeitdruck zusammengestellt wird, ohne dass jemand die Prüfpunkte des Reviewers systematisch abgearbeitet hat.
Häufigster Zurückweisungsgrund überhaupt. "Das Serienwerkzeug war noch nicht fertig, also haben wir Soft-Tool-Teile genommen" — kein OEM akzeptiert das. Kein Argument, kein Ermessen. Wer diese Falle vermeiden will, plant das Serienwerkzeug rückwärts vom PPAP-Einreichungsdatum.
Qualitätsplaner messen "die wichtigen Maße" und lassen allgemeine Toleranzangaben, Oberflächen oder Fasen weg. Der OEM-Reviewer hakt jeden Eintrag der Zeichnung ab. Jedes fehlende Maß ist ein Zurückweisungsgrund — nicht einer von vielen, sondern ein einzelner der das Paket blockiert.
Bei 4-fach-Werkzeug reicht es nicht, Teile aus einer Kavität zu messen. OEM-Reviewer sehen die Werkzeug-ID im Protokoll und vergleichen sie mit der im PSW angegebenen Kavitätenzahl. Fehlen Kavitäten: Zurückweisung mit Auflagenliste.
Besonders kritisch bei Toleranzen unter 0,1 mm. Der Reviewer kann aus dem Protokoll nicht ableiten, ob das Messmittel für die Toleranz geeignet ist, wenn keine Messunsicherheit angegeben ist. Das MSA-Screening (Typ 1) liefert den Eignungsnachweis — dieser muss im EMB referenziert oder beigefügt sein.
Protokoll auf Revision R03 erstellt, Zeichnung aber seit drei Wochen auf R05. PSW trägt R05. OEM-Reviewer sieht sofort: Messung erfolgte gegen eine überholte Zeichnung — alle Ergebnisse möglicherweise gegen falsche Toleranzen. Kompletter Neustart der Messung erforderlich.
Im VDA-EMB: Unterschrift des Qualitätsverantwortlichen beim Lieferanten. Im AIAG-ISIR: Supplier Quality Engineer. Fehlt die Unterschrift oder trägt sie die falsche Funktion (Techniker statt Quality Manager), ist das Dokument formal ungültig — ohne Diskussion.
OEM will das Materialzertifikat für den spezifischen Chargen-Lot, aus dem die bemusterten Teile gefertigt wurden — nicht das Standardzertifikat des Werkstoffs. Der Chargen-Lot-Bezug muss direkt nachvollziehbar sein: Fertigungsauftrag → Rohmaterialcharge → Zertifikat.
Zurückweisungsgrund Nr. 1 — Teile nicht aus Serienwerkzeug — lässt sich strukturell nur durch Rückwärtsterminierung vermeiden: Wann muss das Serienwerkzeug spätestens abgemustert sein, damit alle Messungen bis zum PPAP-Einreichungsdatum abgeschlossen sind? Das ist die kritische Projektplanungsfrage, nicht "Wann beginnen wir mit dem EMB?".
Eine Vorlage hilft, aber sie ersetzt keine inhaltliche Prüfung. Eine gute EMB-Vorlage ist kein leeres Formular — sie erzwingt durch ihre Struktur, dass kein Pflichtfeld vergessen wird.
Alle Pflichtfelder als Pflichtfelder definiert: Teilenummer, Zeichnungsrevision, Datum, Lieferantennummer, Stückzahl der Bemusterung, Werkzeug-ID, Unterschrift Qualitätsverantwortlicher. Kein Formular ohne Revisionsnummer abschließbar.
Nummerierte Zeilen-ID pro Merkmal, Nominalmaß, Toleranz (+/−), Messergebnis, i.O./n.i.O.-Bewertung automatisch, Messmittel-ID, Kavitäten-Kennung bei Mehrfachwerkzeug. Kalibrierreferenz pro Messmittel.
Bei kritischen Merkmalen (SC/CC) und engen Toleranzen: Feld für expanded uncertainty U. Referenz auf MSA-Studie (Typ 1 oder Typ 2) pro Messmittel. Automatische Warnung wenn U über 10 % der Toleranz.
Referenz auf Materialzertifikat mit Chargen-Lot-Nummer — nicht nur Werkstoffbezeichnung. Akkreditierungsnachweis der Prüfstelle als Pflichtbeilage bei Fremdlabor.
QIMS bietet keine Download-Vorlage auf der Website an. Der QIMS-Bezug ist die digitale Unterstützung bei der Erstellung, Revisionsführung und Freigabe des EMB/ISIR — nicht das Formblatt selbst.
Das strukturelle Problem bei EMB/ISIR-Erstellung ist nicht die Messung selbst — es ist die Revisionsführung: Wenn die Zeichnung auf R05 aktualisiert wird, weiß wer im Team, dass der EMB neu erstellt werden muss? Und wer stellt sicher, dass der PSW erst unterschrieben wird, wenn der neue EMB freigegeben ist?
QIMS verbindet das Maßprotokoll direkt mit dem Teil und dem Zeichnungsstand. Wenn eine neue Zeichnungsrevision ins System kommt, setzt QIMS den EMB-Status automatisch auf "Überprüfung erforderlich" — der Freigabeworkflow startet neu, ohne dass jemand manuell nachhalten muss.
Maßprotokoll an Zeichnungsrevision gebunden — neue Revision triggert automatisch den Überprüfungs-Status. Kein manuelles Nachhalten.
Status-Überblick welche Kavitäten gemessen sind und welche noch offen stehen — vor der Einreichung, nicht beim OEM-Review.
EMB muss vor PSW-Unterschrift freigegeben sein. QIMS sperrt den PSW bis alle abhängigen Elemente — darunter Element 9 — auf Status "freigegeben" stehen.
In einer Demo zeigen wir, wie QIMS den EMB/ISIR-Prozess von der Zeichnungsrevision bis zur PSW-Freigabe abbildet — mit Kavitäten-Status, Revisionshistorie und MSA-Integration für Element 8 und 9 im selben Workflow.
Häufige Fragen zum Erstmusterprüfbericht
5 FragenWas ist der Unterschied zwischen EMB (Erstmusterprüfbericht) und ISIR (Initial Sample Inspection Report)?
EMB und ISIR erfüllen dieselbe Funktion — beide dokumentieren, dass erstmals mit Serienwerkzeug hergestellte Teile alle Zeichnungsanforderungen erfüllen — unterscheiden sich aber in Ursprung und Format. Der EMB kommt aus dem deutschen VDA-Standard (VDA Band 2, PPF-Freigabe) und ist stark formularbasiert: strukturierte Nummerierung, Deckblatt mit Pflichtfeldern, Zeichnungsanalyse mit Laufnummern je Merkmal. Der ISIR ist das AIAG-Format für PPAP Element 9 ("Dimensional Results") — prinzipienbasiert, Format flexibler, aber Vollständigkeit absolut zwingend. Deutsche OEMs (VW-Gruppe, BMW, Mercedes) fordern den EMB. US-amerikanische OEMs (GM, Ford, Stellantis) erwarten im PPAP-Kontext den ISIR. Tier-1-Lieferanten mit internationalem OEM-Portfolio erstellen beide Formate aus denselben Messrohdaten.
Welche Merkmale müssen im Erstmusterprüfbericht gemessen werden?
Alle auf der Zeichnung definierten Merkmale — ausnahmslos. OEM-Reviewer nehmen Zeichnung und Protokoll nebeneinander und haken Merkmal für Merkmal ab. Ein einzelnes auf der Zeichnung definiertes Maß, das im Protokoll fehlt, genügt für eine Zurückweisung. Das betrifft auch Merkmale, die Qualitätsplaner für selbstverständlich halten: allgemeine Toleranzen, Oberflächenrauheitswerte, Fase-Maße. Wenn es auf der Zeichnung steht, muss es im EMB/ISIR stehen. Special Characteristics (SC/CC) brauchen zusätzlich dokumentierte Messunsicherheit und in vielen Fällen Cpk-Nachweise — aber sie ersetzen keine vollständige Messreihe für alle anderen Merkmale.
Müssen bei einem 4-fach-Werkzeug alle Kavitäten im EMB dokumentiert sein?
Ja — ohne Ausnahme. Bei Mehrfachwerkzeugen (2-fach, 4-fach, 8-fach usw.) müssen Teile aus jeder Kavität gemessen und im Protokoll mit der jeweiligen Kavitäten-ID dokumentiert sein. OEM-Reviewer fragen explizit nach der Kavitäten-Kennzeichnung. Hintergrund: Verschiedene Kavitäten eines Werkzeugs können unterschiedliche Maßpositionen erzeugen — besonders bei nicht vollständig symmetrischem Werkzeugverzug. Nur wer alle Kavitäten misst, kann sicherstellen, dass das Serienwerkzeug über alle Hohlräume hinweg in Toleranz produziert. Ein EMB der nur eine von vier Kavitäten dokumentiert, wird zurückgewiesen.
Was passiert wenn der Erstmusterprüfbericht zurückgewiesen wird?
Eine EMB/ISIR-Zurückweisung führt in der Regel zu einem Interim Approval mit Auflagenliste — oder zu einer vollständigen Zurückweisung ohne vorläufige Genehmigung. Im Interim-Approval-Fall darf geliefert werden, aber der Lieferant muss den vollständigen EMB bis zu einem gesetzten Datum neu einreichen. Die Teile müssen dabei aus dem Serienwerkzeug neu gemessen werden — kein Protokoll kann "repariert" werden, indem fehlende Maße nachgetragen werden, ohne neu zu messen. Bei schwerwiegenden Mängeln (falsche Zeichnungsrevision, Prototypteile statt Serienteile) ist ein vollständiger Neuanlauf erforderlich. Die PPAP-Ablehnungsrate fließt in OEM-Lieferantenbewertungen ein.
Kann ich Prototypteile für den Erstmusterprüfbericht verwenden?
Nein. EMB und ISIR verlangen ausdrücklich Teile aus dem echten Serienwerkzeug unter Serienproduktionsbedingungen. Prototypteile, Soft-Tool-Teile oder Teile aus modifizierten Sonderbedingungen werden von keinem OEM-Reviewer akzeptiert. Das ist der häufigste Zurückweisungsgrund im EMB-Kontext: Teams beginnen Messungen mit verfügbaren Prototypteilen, weil das Serienwerkzeug noch nicht fertig ist. Diese Messungen müssen vollständig wiederholt werden, sobald Serienwerkzeug-Teile vorliegen. Die Vorlaufplanung für das Serienwerkzeug ist damit direkt Teil der PPAP-Terminplanung.
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Serienwerkzeug.
Alle Kavitäten.
Zeichnungsrevision stimmt.
OEM-Review: genehmigt.
In einer Demo zeigen wir, wie QIMS den Erstmusterprüfbericht von der Zeichnungsrevision bis zur PSW-Freigabe strukturiert — mit Kavitäten-Tracking, Revisionshistorie und MSA-Integration für fehlerfreie Element-9-Einreichungen.
Kein Pitch. Kein Abschlussgespräch nach dem Termin.